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Diskussion zum Modul G: Die Brücke zum Neuen Testament

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5 Kommentare

  1. Hallo Manfred, mir ist nach Abschluss von Modul G nicht ganz klar, welche Strömungen des Judentums heute in Israel zu finden sind. Aus den Unterlagen lese ich folgendes heraus und bitte um Korrektur. Danke schön!
    ultraorthodoxes Judentum (widmen sich der Kabbala)
    messianisches Judentum (erkennen Jesus als Messias an)
    rabbinisches Judentum (Talmud ist Grundlage ihres Lebens)
    chassidisches Judentum (sehr volksnah, widmen sich der Mystik)

    Und eine Frage ist mir doch noch geblieben, obwohl ich verstanden habe, dass Jesus die Gesetze in ihren Prinzipien verstanden haben möchte, dass sie an sich noch gelten, aber nicht haarklein in der Umsetzung ausgeführt werden müssen und dass er so manches noch tiefer führt als in bloßen Handlungen zu verharren. Das heißt, ich kann mich vom Gesetz lösen und bin ihm nicht sklavisch ausgeliefert, sondern muss es im Lichte Jesu lesen und tun. Also es geht um die Gesamtschau. Was ist nun aber mit Texten wie z.B. Jes 43, 1-2 und Jes 48, 17 und Jes 54,10 Diese Verse werden (verkürzt) für Zusagen auch für uns Christen in Anspruch genommen, obwohl sie an das Volk Israel gerichtet waren. Ist es in diesen und vielen anderen Fällen auch so, dass ich diese Verse für mich nutzen darf, wenn sie Gottes Wesen offenbaren, das seit Jesus nun auch für alle Menschen/ Völker gilt? Also findet hier auch eine Erweiterung/ Vertiefung der ursprünglichen Auffassung statt wie auch beim Einhalten des Gesetzes?

    1. Heutige Strömungen: Das ist nicht so einfach zu beantworten, da bei 2.000 Jahren Geschichte es vielfältige Überschneidungen gibt. Aber vielleicht kann man Folgendes sagen:
      – Es gibt das messianische Judentum, das Jesus als Messias anerkennt. Auch hier gibt es Untergruppen, die z.B. in ihrer Stellung zur Tora oder zu den Geistesgaben variieren.
      – Es gibt eine Art Fortsetzung des früheren rabbinisches Judentum, die Konservativen. Aber auch sie haben spätere Impulse mit aufgenommen. Und auch da gibt es unterschiedliche Schulen.
      – Das ultraorthodoxe Judentum ist die Fortsetzung des (modernen) chassidischen Judentums; beide basieren stark auf sowohl auf rabbinischen wie kabbalistischen Lehren.

      Darüber hinaus gibt es noch weitere Strömungen, ein „liberales“ Judentum, ein national-zionistisches, ein atheistisches usw.
      Nochmal: alle diese Gruppierungen sind in ihrer Ausprägung vielfältig und können sich teílweise überschneiden.

      In aller Kürze zu den Jesaja-Texten: Diese Verheißungs- und Trostworte richten sich, wie du richtig bemerkst, zunächst an das ganze Volk Gottes, also das damalige Israel. Die erste legitime Übertragung ist also zunächst auf das Volk Gottes heute – die Gemeinde des Messias Jesus, der ja selbst als „Gottesknecht“ in diesem Teil des Jesajabuchs eine wichtige Rolle spielt. Denn all das ist auch für uns zum Vorbild (bzw. zur Warnung) geschrieben, wie es z.B. Paulus in 1Kor 10,6.11 sagt. Damit ist auch eine Übertragung auf uns als Einzelne legitim, die zu seinem Volk gehören und an ihn glauben / ihm vertrauen.
      Bei diesen Texten ist das relativ einfach, da sie auch aus damaliger Sicht auf eine kommende („geistliche“, d.h. auf die Gottesbeziehung fokussierte) Erneuerung des Gottesvolks abzielen. – Schwieriger bzw. komplexer wäre das bei Aussagen, die materielle, nationale, politische etc. Inhalte zum Gegenstand haben, denn diese Ebene(n) wurde durch das Kommen Jesu, des Messias Israels und der Völker, transformiert.

  2. Hallo Manfred, ich glaube, ich habe da immer noch etwas nicht verstanden:
    Vortrag 13, Seite 6 Tempel
    Menschen mit Defekten sind nicht heil, also unrein, weil sie nicht der guten Ordnung Gottes entsprechen. Das ist doch aber eine menschliche Zuordnung, oder? Hier sagt der Mensch, was die gute Ordnung ausmacht, oder? Oder sieht Gott das auch so? Für mich kommt da so viel Einteilung in wertes und unwertes Leben hinein, das ich so nicht akzeptieren kann.

    Und noch etwas, das eigentlich keine richtige Frage ist, sondern nur eine Anmerkung:
    Vortrag 13, Seite 7
    Jesus- der 3. Tempel. Die Juden heute in Jerusalem wollen den Tempel wieder aufbauen, haben schon Tempelgeräte hergestellt, habe ich gelesen. Wird dieser Wiederaufbau wohl gelingen oder wird Gott ihn verhindern, weil Jesus der 3. Tempel ist? Oder wird Gott in Seiner grenzenlosen Güte und großen Geduld einfach zusehen und hoffen, dass sich im Laufe der Zeit immer mehr Menschen Jesus zuwenden und nicht dem Gebäude?

    1. Zu 1) Zwei Gedanken zum Thema „heil und unheil“:
      a) Dass jemand „unheil“ ist, ist an sich noch kein Werturteil – es verhindert nur den Zutritt zum Tempel. Aber die Person ist nach wie vor volles Mitglied der israelitischen Gesellschaft, mit allen Rechten und Pflichten. Es geht also nicht um „wertes“ oder „unwertes“ Leben, sondern um den Zutritt zum Tempel.

      b) Auf einer tieferen Ebene scheint mir das Problem in einer grundlegenden Verwechslung zu liegen. „Nicht heil“ sind wir in biblischer Hinsicht nämlich alle, nicht nur Kranke, Beschädigte usw.; deswegen hat kein Mensch Zugang zu Gott. Das ist kein menschliches Urteil – denn Menschen unterscheiden oft zwischen gut und böse, lebenswert und nicht lebenswert etc. In Gottes Augen gibt es schlicht keine Unterscheidung, „denn alle haben gesündigt“ (d.h. sind gebrochen), Röm 3,23. Es ist einfach die Realität der gebrochenen Schöpfung, eben des „Falls“, und der betrifft alle Menschen gleichermaßen, und zudem noch die Schöpfung, die dem Menschen anvertraut ist. Diesen Zustand bildet das AT lediglich ab. Der normale Israelit hat nur Zugang, wenn ihm die „Torwächter“ es gestatten (dazu sind sie da). Und auch dann hat er noch keinen Zutritt zum Heiligtum selbst, in dem Gott wohnt, sondern nur zum Vorhof, wo die Schlachtopfer stattfinden.
      Es ist also eine gestufte „Nähe“ (bzw. eigentlich eine Ferne) zu Gott – der genau genommen ja im Allerheiligsten wohnt, wo auch der Hohepriester nur einmal im Jahr Zutritt hat.
      Im AT gibt es zwar die Vermittlung einer größeren Nähe zu Gott (durch Priester, Sühnerituale etc.) – manches aber ist außerhalb menschlicher Hilfe. Das kann nur Gott bewältigen/heilen – und das tut er ja zeichenhaft auch, selbst schon vereinzelt im AT. Letztlich ist Gott selbst Mensch geworden – um es allen zu ermöglichen, „heil“ zu werden – den Kranken wie den „Gesunden“..

      Zu „Dritter Tempel“: Es gibt tatsächlich radikale Juden, die sogar die islamischen Heiligtümer auf dem Tempelgelände abreißen würden, um einen dritten Tempel zu bauen. Aus neutestamentlicher Sicht ist das dann nichts anderes als Götzendienst (selbst gemachter „Gottesdienst“) – denn Gott hat sich ein für allemal in Jesus geoffenbart: in ihm ist er selbst Mensch geworden! Das ist der einzige und bleibende Ort seiner Gegenwart. Aber: natürlich möchte Gott sich auch über diese Leute erbarmen – allerdings nicht über ihre Sünde. – Er geht mit ihnen um wie mit allen anderen auch. Ob ein dritter physischer Tempel je gebaut wird oder nicht, ist letztlich nicht so übermäßig relevant. In keinem Fall ist es ein „Heilszeichen“, eher ein Unheilszeichen.

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