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Diskussion zum Modul G: Die Brücke zum Neuen Testament

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7 Kommentare

  1. Good morning Manfred,
    you mention in the first part of V13, that the temple was at the core of Israel’s identity and corporate existence and life before the exile. The Torah replaced the temple during and after the exile, on the one hand because the temple had been destroyed, the Jews removed from their land. All that constituted their identity had been removed. All that belonged to their covenant with God as they understood it had disappeared.
    And on the other hand, the Torah became central because there was an impellent need to find their identity and scope again, to differentiate themselves from the other ethnic groups living in Babylon, and especially to never again neglect and disrespect God and His word as they had done before.
    From the exilic and post-exilic writings can we understand how much did the Jews actually understand that sin was at the core of their problems? Was there a genuine conviction of the wrong that led them into exile? Based on their century-long existence within the covenant with God, during which He continually revealed more aspects of who He was, how much were they supposed to have understood that the core issue was sin?
    Also did the possession and the observance of the Torah eventually lead the Jews to believe that they would be spared any kind of evil regardless of their sinful behavior, as they wrongly assumed the temple would do for them before the exile?
    Thanks so much for your answers!
    Silvia

    1. The situation is a little bit mor complex:
      Before the exile in < strong >Judah the temple in Jerusalem was regarded as central to the existence as the “people of God”, but even more so the rule of the Davidic dynasty. The temple included the temple traditions etc. which were part of the tora. And after the exile the first thing to reestablish was the temple. Now the temple was of major importance, more than ever before. But additionally the Torah for all the people (and, following it, the prophets and the “writings”) became a second central focus. That could create tensions, which in NT times developed into the antagonism between the Sadducees, the “temple party”, and the Pharisees, the “Torah party”. After the (second and final) destruction of the Jerusalem temple in AD 70, the Torah party – and the „Messiah party”, i.e. the Messianic Jews, were the only major groups that were left.

      In Northern Israel the situation it is not so clear. In preexilic times there were several official temples and there was no Davidic dynasty. Here it seems that the identity rested more in the history with God (e.g., the Jacob, Joshua, Judges and Saul stories are located and transmitted there, cf. e.g. Joh 4,12) … Later on, in postexilic times, we find in the Samaritan community a counterparallel to Juda: a focus the temple and the Torah (no prophets etc.).

      Concerning “sin”: The major issue for the Judahites (and later Jews) was the problem of “corporate sin”, i.e. that the Israel of God – or significant parts of it – had not followed his Torah and were therefore doomed. But “Israel” could have kept the Torah. So much effort was undertaken to safeguard, that this would not happen again. Individual sin was regarded by the pious as contemptible, but the real focus was still on Israel as a corporate entity. Of course, the Pharisaic conviction was that individuals had to practice the Tora perfectly in order to keep Israel pure.

      Since the Torah, and especially Deuteronomy, continuously challenges the Israelites not to sin (and love God beyond anything else), the mere “possession” of the Torah could not be seen as a guarantee of God’s favor, like the preexilic temple. Here the danger is of a different kind, i.e. on relying on one’s own (and collective) efforts to please God. This is what Paul, a Pharisee himself, had to battle against.

      The issue of indidivual sin and its inevitability, i.e. “Adam’s fall/original sin” begins only to emerge in some writings in connection with the devastations of the Jewish wars 66-70 (115-117) and 133-135.

  2. Hallo Manfred, mir ist nach Abschluss von Modul G nicht ganz klar, welche Strömungen des Judentums heute in Israel zu finden sind. Aus den Unterlagen lese ich folgendes heraus und bitte um Korrektur. Danke schön!
    ultraorthodoxes Judentum (widmen sich der Kabbala)
    messianisches Judentum (erkennen Jesus als Messias an)
    rabbinisches Judentum (Talmud ist Grundlage ihres Lebens)
    chassidisches Judentum (sehr volksnah, widmen sich der Mystik)

    Und eine Frage ist mir doch noch geblieben, obwohl ich verstanden habe, dass Jesus die Gesetze in ihren Prinzipien verstanden haben möchte, dass sie an sich noch gelten, aber nicht haarklein in der Umsetzung ausgeführt werden müssen und dass er so manches noch tiefer führt als in bloßen Handlungen zu verharren. Das heißt, ich kann mich vom Gesetz lösen und bin ihm nicht sklavisch ausgeliefert, sondern muss es im Lichte Jesu lesen und tun. Also es geht um die Gesamtschau. Was ist nun aber mit Texten wie z.B. Jes 43, 1-2 und Jes 48, 17 und Jes 54,10 Diese Verse werden (verkürzt) für Zusagen auch für uns Christen in Anspruch genommen, obwohl sie an das Volk Israel gerichtet waren. Ist es in diesen und vielen anderen Fällen auch so, dass ich diese Verse für mich nutzen darf, wenn sie Gottes Wesen offenbaren, das seit Jesus nun auch für alle Menschen/ Völker gilt? Also findet hier auch eine Erweiterung/ Vertiefung der ursprünglichen Auffassung statt wie auch beim Einhalten des Gesetzes?

    1. Heutige Strömungen: Das ist nicht so einfach zu beantworten, da bei 2.000 Jahren Geschichte es vielfältige Überschneidungen gibt. Aber vielleicht kann man Folgendes sagen:
      – Es gibt das messianische Judentum, das Jesus als Messias anerkennt. Auch hier gibt es Untergruppen, die z.B. in ihrer Stellung zur Tora oder zu den Geistesgaben variieren.
      – Es gibt eine Art Fortsetzung des früheren rabbinisches Judentum, die Konservativen. Aber auch sie haben spätere Impulse mit aufgenommen. Und auch da gibt es unterschiedliche Schulen.
      – Das ultraorthodoxe Judentum ist die Fortsetzung des (modernen) chassidischen Judentums; beide basieren stark auf sowohl auf rabbinischen wie kabbalistischen Lehren.

      Darüber hinaus gibt es noch weitere Strömungen, ein „liberales“ Judentum, ein national-zionistisches, ein atheistisches usw.
      Nochmal: alle diese Gruppierungen sind in ihrer Ausprägung vielfältig und können sich teílweise überschneiden.

      In aller Kürze zu den Jesaja-Texten: Diese Verheißungs- und Trostworte richten sich, wie du richtig bemerkst, zunächst an das ganze Volk Gottes, also das damalige Israel. Die erste legitime Übertragung ist also zunächst auf das Volk Gottes heute – die Gemeinde des Messias Jesus, der ja selbst als „Gottesknecht“ in diesem Teil des Jesajabuchs eine wichtige Rolle spielt. Denn all das ist auch für uns zum Vorbild (bzw. zur Warnung) geschrieben, wie es z.B. Paulus in 1Kor 10,6.11 sagt. Damit ist auch eine Übertragung auf uns als Einzelne legitim, die zu seinem Volk gehören und an ihn glauben / ihm vertrauen.
      Bei diesen Texten ist das relativ einfach, da sie auch aus damaliger Sicht auf eine kommende („geistliche“, d.h. auf die Gottesbeziehung fokussierte) Erneuerung des Gottesvolks abzielen. – Schwieriger bzw. komplexer wäre das bei Aussagen, die materielle, nationale, politische etc. Inhalte zum Gegenstand haben, denn diese Ebene(n) wurde durch das Kommen Jesu, des Messias Israels und der Völker, transformiert.

  3. Hallo Manfred, ich glaube, ich habe da immer noch etwas nicht verstanden:
    Vortrag 13, Seite 6 Tempel
    Menschen mit Defekten sind nicht heil, also unrein, weil sie nicht der guten Ordnung Gottes entsprechen. Das ist doch aber eine menschliche Zuordnung, oder? Hier sagt der Mensch, was die gute Ordnung ausmacht, oder? Oder sieht Gott das auch so? Für mich kommt da so viel Einteilung in wertes und unwertes Leben hinein, das ich so nicht akzeptieren kann.

    Und noch etwas, das eigentlich keine richtige Frage ist, sondern nur eine Anmerkung:
    Vortrag 13, Seite 7
    Jesus- der 3. Tempel. Die Juden heute in Jerusalem wollen den Tempel wieder aufbauen, haben schon Tempelgeräte hergestellt, habe ich gelesen. Wird dieser Wiederaufbau wohl gelingen oder wird Gott ihn verhindern, weil Jesus der 3. Tempel ist? Oder wird Gott in Seiner grenzenlosen Güte und großen Geduld einfach zusehen und hoffen, dass sich im Laufe der Zeit immer mehr Menschen Jesus zuwenden und nicht dem Gebäude?

    1. Zu 1) Zwei Gedanken zum Thema „heil und unheil“:
      a) Dass jemand „unheil“ ist, ist an sich noch kein Werturteil – es verhindert nur den Zutritt zum Tempel. Aber die Person ist nach wie vor volles Mitglied der israelitischen Gesellschaft, mit allen Rechten und Pflichten. Es geht also nicht um „wertes“ oder „unwertes“ Leben, sondern um den Zutritt zum Tempel.

      b) Auf einer tieferen Ebene scheint mir das Problem in einer grundlegenden Verwechslung zu liegen. „Nicht heil“ sind wir in biblischer Hinsicht nämlich alle, nicht nur Kranke, Beschädigte usw.; deswegen hat kein Mensch Zugang zu Gott. Das ist kein menschliches Urteil – denn Menschen unterscheiden oft zwischen gut und böse, lebenswert und nicht lebenswert etc. In Gottes Augen gibt es schlicht keine Unterscheidung, „denn alle haben gesündigt“ (d.h. sind gebrochen), Röm 3,23. Es ist einfach die Realität der gebrochenen Schöpfung, eben des „Falls“, und der betrifft alle Menschen gleichermaßen, und zudem noch die Schöpfung, die dem Menschen anvertraut ist. Diesen Zustand bildet das AT lediglich ab. Der normale Israelit hat nur Zugang, wenn ihm die „Torwächter“ es gestatten (dazu sind sie da). Und auch dann hat er noch keinen Zutritt zum Heiligtum selbst, in dem Gott wohnt, sondern nur zum Vorhof, wo die Schlachtopfer stattfinden.
      Es ist also eine gestufte „Nähe“ (bzw. eigentlich eine Ferne) zu Gott – der genau genommen ja im Allerheiligsten wohnt, wo auch der Hohepriester nur einmal im Jahr Zutritt hat.
      Im AT gibt es zwar die Vermittlung einer größeren Nähe zu Gott (durch Priester, Sühnerituale etc.) – manches aber ist außerhalb menschlicher Hilfe. Das kann nur Gott bewältigen/heilen – und das tut er ja zeichenhaft auch, selbst schon vereinzelt im AT. Letztlich ist Gott selbst Mensch geworden – um es allen zu ermöglichen, „heil“ zu werden – den Kranken wie den „Gesunden“..

      Zu „Dritter Tempel“: Es gibt tatsächlich radikale Juden, die sogar die islamischen Heiligtümer auf dem Tempelgelände abreißen würden, um einen dritten Tempel zu bauen. Aus neutestamentlicher Sicht ist das dann nichts anderes als Götzendienst (selbst gemachter „Gottesdienst“) – denn Gott hat sich ein für allemal in Jesus geoffenbart: in ihm ist er selbst Mensch geworden! Das ist der einzige und bleibende Ort seiner Gegenwart. Aber: natürlich möchte Gott sich auch über diese Leute erbarmen – allerdings nicht über ihre Sünde. – Er geht mit ihnen um wie mit allen anderen auch. Ob ein dritter physischer Tempel je gebaut wird oder nicht, ist letztlich nicht so übermäßig relevant. In keinem Fall ist es ein „Heilszeichen“, eher ein Unheilszeichen.

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