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Diskussion zum Modul D: Die Prophetie

(Königszeit und Exil) 

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27 Kommentare

  1. Hallo Manfred,
    im AB5 S.28 schreibst Du, dass die Tempelreinigung Jesu auf die Abschaffung des Opfer-/ Sühnekults hinzielt. – Das ist neu für mich, kannst Du das vielleicht noch etwas ausführen?
    Und die 4. Gottesknechtprophetie (Jes. 52, 13-15) sollte sich doch wohl auf Jesu Auferstehung beziehen – aber ich verstehe das irgendwie aus dem Text nicht… Nur weil prophezeit wird, dass er letztendlich eine überragende Stellung erlangen wird, heißt das doch nicht, dass er als Auferstandener erscheinen wird. Oder was ist hier gemeint (auch in Zusammenhang mit 1. Kor. 15)?Danke für Deine Mühen 🙂

    1. Jesus begründet die Tempelreinigung mit einem Mix aus Jes 56,7 und Jer 7,11 (aus Jeremias Tempelrede), z.B. in Mt 21,13. Jes 56,7 bringt zum Ausdruck, dass die endzeitliche Funktion des Tempels nicht mehr im Opferkult liegen wird – bis dahin die Hauptfunktion – sondern in der Anbetung Gottes. Das aber geschah schon in jeder Synagoge – dafür ist kein eigener Tempel mehr nötig. Die zeichenhafte Vertreibung der Händler, die Opfertiere (!) für die Opfer verkauften, liegt auf der gleichen Linie. Hinzu kommt, dass den Heiden („Völkern“) der Zutritt zum eigentlichen Tempelareal unter Todesstrafe verboten war. Das macht das Zitat von Jes 56,7 erst recht brisant.

      Wenn aber die Opfer aus Sicht Jesu abgeschafft werden können, dann stellt sich die Frage: Warum eigentlich? Und hier setzt der grundsätzliche Gedanke an: weil sie nicht mehr nötig sind. Denn ein Zweck, der bei allen Opfern zumindest mit intendiert war – und der für den gesamten Opferkult ausschlaggebend war – ist die „Sühne“. Die wird aber jetzt, und da sind wir wieder beim Gottesknecht, durch diesen vollbracht, und zwar, wie der Hebräerbrief ausführt, ein für alle Mal.

      Die „Auferstehung“ in Jes 53. Der Mittelteil 53,1-11a spricht von einem stellvertretenden Leiden und Sterben des Gottesknechts als (Opfer-) Lamm. Die beiden chiastischen Rahmenstücke 52,13-15 und 53,11b-13 blicken auf die Erhöhung des Gottesknechts weil er die Schuld getragen und dafür sein Leben hingegeben hat.

      Man muss dabei im Hinterkopf behalten, dass eine Prophetie keine Wahrsagerei ist: Sie beschreibt nicht einfach ein zukünftiges Ereignis, als ob jemand das in einem Film gesehen hätte. Sondern sie schildert eine bildhafte Vision oder, wie hier vielleicht, ein beispielhaftes Ereignis, und formuliert tastend dessen überragende Bedeutung. Das spätere Geschehen ist dann jeweils anders, größer, mit unerwarteten Zügen o.ä., aber doch als Erfüllung der Prophetie erkennbar – für die, „die Ohren haben zu hören und Augen zu sehen“.

  2. Hallo Manfred, danke für alle Mühe beim Beantworten. Ich bin noch auf kurze Unklarheiten gestoßen.
    Jes. 55, 6-13
    Gilt diese Bibelstelle auch für alle Gläubigen, die nicht zum Volk Israel gehören?

    Makkabäer
    In meiner Lutherbibel habe ich nur 1. und 2. Makkabäer. Wo finde ich 4. Makkabäer?

    AB 5, Seite 29, Punkt 6)
    In der dort angegebenen Bibelstelle Mt. 3,7 kommt das Wort pais-Knecht nicht vor. Ich habe in verschiedenen Übersetzungen nachgeschaut. Ist die Angabe vielleicht ein Irrtum in dem Zusammenhang?

    1. Zu Jes 55: Zunächst gilt die Aufforderung für das damals angesprochen Israel. Aber die Formulierungen sind so allgemein(-gültig), dass wir sie natürlich auch auf uns beziehen können. Jes 55,7 z.B. erhält durch das Gleichnis Jesu vom verlorenen Sohn eine wunderbare Illustration… 55,10f gehören zu grundlegenden bildhaft-theologischen Aussagen über die Wirksamkeit des Wortes Gottes usw.

      3.und 4. Makkabäer findest Du im Internet, wenn Du im PDF auf ↳3Makk bzw. ↳4Makk klickst. Die Links führen dich jeweils zu einer Webseite von wikisource. Der „Rechtecks-Pfeil ist immer ein anklickbarer Link, entweder zu einer anderen Passage im PDF, oder zu einer externen Webseite (dabei handelt es sich immer um Texte, die in den evangelischen Bibeln nicht zu finden sind).

      Mt 3,7 ist falsch. Es muss heißen Mt 3,17 heißen. Dort steht „hyiós“/„Sohn“ als Anspielung Jes 42,1 (LXX: pais), das dann in Mt 12,18 zitiert wird (dort mit pais). D.h. Mt sieht in dem Wort „pais“ beides, wie es ja auch der griechischen Wortbedeutung entspricht: den „Knecht“ Gottes und den „Sohn“; das macht er in Mt 3,7 wo er pais mit hyios wiedergibt, deutlich.

  3. Hallo Manfred, ich hätte noch eine Verständnisfrage zu Hesekiel und zu Amos. Danke für Deine Antworten!
    Hesekiel: der endzeitliche Tempel
    Wieso gibt Gott Hesekiel die Baupläne für einen neuen, dritten Tempel, der in der Endzeit entstehen soll, wenn doch das NT (Offenbarung) davon erzählt, dass es keinen Tempel mehr brauchen wird nach der Erlösung der Erde, weil Gott als Herrscher überall anwesend ist?
    Weil es eine Prophetie ist und eben keine Vorhersage? Und Gottes Pläne sich ändern können?

    Amos 9, 11-15
    Woran erkennt man, dass dieser Text messianisch gemeint ist? Könnten die Verse nicht auch auf die Zeit nach dem Exil bezogen sein, wenn das Volk zurückkehrt ins Land und alles (die “Hütte Davids”) neu aufbaut? Oder weist die “Hütte Davids” auf das Königtum hin, das in Jesus wiedererrichtet wird?

    1. Hesekiels endzeitlicher Tempel: Es handelt sich hier um prophetische „Bilder“ mit apokalyptische-endzeitlicher Prägung. Bilder unterliegen aber eigenen Gesetzen. Sie sind nicht als „Fotografien“ oder „Abbildungen“ zukünftiger Dinge oder Ereignisse zu sehen, sondern als Symbole. Ansonsten wäre nämlich alles und alle „festgelegt“, und zwar nicht nur Menschen, sondern auch Gott! Und damit wäre weder eine menschliche Freiheit möglich, noch ein freies Handeln Gottes.

      Auch der Plan des Tempels gehört zur prophetischen Bildwelt. Schon die Tempelquelle ist geografisch nicht möglich, beinhaltet also entweder gleich eine Neuschöpfung, oder aber sie ist ein Symbol. Das gleiche gilt für das veränderte geografische Israel und die veränderte Lage des endzeitlichen Tempels darin …

      Gott geht mit solchen Bildern ja auch immer auf die Vorstellungswelt der jeweiligen Empfänger ein, in diesem Fall eines judäischen Priesters des 6. Jh. v. Chr. Uns würde er wahrscheinlich andere Bilder schenken, die uns vertrauter wären. aber auch da müssten wir uns vor der Verwechslung von „Symbolischem“ mit „Realistischem“ hüten …

      Zugegeben: Die konkreten Maßangaben des Tempels etc. dienen der Anschaulichkeit und verführen genau dadurch zu einer realistisch-irdischen Sicht. Und es ist durchaus wahrscheinlich, dass viele Israeliten das zunächst auch wörtlich verstanden haben. Aber damit geht es wie mit der gesamten Heilsgeschichte: Alles vor dem Kommen Gottes in Jesus ist Vorbereitung, Symbol oder vielleicht sogar Archetyp, aber eben auch, neutestamentlich formuliert, ein „Schatten“. Das Eigentliche wird durch ihn offenbar. Und im ntl. Buch der Offenbarung werden dann wieder Bilder gebraucht, die aber sofort als Symbole erkennbar sind: So ist das Neue Jerusalem nicht nur eine Stadt, sondern zugleich das Allerheiligste des Tempels Gottes (denn es ist würfelförmig wie der Raum des Allerheiligsten). Zugleich aber ist eine würfelförmige Stadt unvorstellbar, schon gar nicht mit über 2.000 km Seitenlänge.

      Zur „Hütte Davids“ bei Amos: „Nachexilisch“ und „messianisch“ – beides ist kein Gegensatz. „Messianisch“ meint ja den kommenden König Israels. Nach einem Teil der alttestamentlichen Erwartung ist es der Messias, der Juda und Israel aus dem Exil – dem Symbol des Gerichts und der Gottesferne – zurückführt und den Tempel aufrichtet. Deshalb richteten sich zur Zeit Sacharjas messianische Hoffnungen auf Serubbabel, einen Nachkommen Davids (Sach 3,8; 4,1-14; 6,12f). Sie gingen dann aber (noch) nicht in Erfüllung.

      Das geschah erst durch einen anderen nachexilischen Sohn Davids, Jesus von Nazareth. Und in etwas anderer Weise, als gedacht: Der neue Tempel ist er selbst zusammen mit denen, die zu ihm gehören. Und er ist es, der Israel zu Gott zurückführt – deshalb seine Predigt der „Umkehr“ (Umkehr und Rückkehr sind im AT ein und dasselbe Wort). So kann Jakobus in Apg 15 die Wiederherstellung des „Zelts Davids“ (so in der LXX: Am 9,11 = Apg 15,16; in MT steht „Sukkah“, Pavillon, Zelt, Hütte, Laubhütte) ganz korrekt auslegen.

  4. Hallo Manfred, ich lese mit großem Interesse Hesekiel und habe mal wieder ein paar Fragen. Vielen Dank für`s Beantworten!

    Hesekiel 4, 4-8
    Wie kann man sich diese Zeichenhandlung in der praktischen Umsetzung vorstellen? Wie lange liegt Hesekiel an welchem Platz auf der Seite? Und wieso trägt er damit die Schuld des Volkes? Ich kann mich in das Vorgehen nicht hineinfühlen.

    Hesekiel 5, 10
    Geht es hier wirklich darum, Menschenfleich aus Not als Nahrung zu sich zu nehmen? Oder ist es ein Sinnbild, dass vielleicht in Familien einige durch Nahrungsverzicht verhungern müssen, damit die anderen überleben können?

    Hesekiel 20,25 und AB5 Seite 7
    Was bedeutet unter III. der Begriff “Geschichtstheologie”?
    Und ist Vers 25 im Sinne von “Gesetzlichkeit” zu verstehen, also dass Gott zwar Gesetze erlassen hat, deren Einhaltung aber so schwierig ist, dass man dadurch nicht gerecht werden kann, um das ewige Leben bei Gott zu erlangen?

    1. 1) Hes 4,4ff: Der Text sagt uns nur die Zeitdauer an. Wahrscheinlich ist, dass Hesekiel die Zeichenhandlung an einem öffentlich sichtbaren Platz vollzog. Aber da dürfte er nicht 24 Stunden am Tag gelegen haben, sondern vielleicht nur wenige Stunden am Tag – wir wissen es nicht. Es musste ja praktikabel sein. Vielleicht war es nur in der (Tages-)Zeit, die für das Gespräch mit den „Ältesten“ reserviert war (eine Art „Audienzzeit“?), wie in Hes 8,1; 14,1; 20,1 berichtet.

      Diese Zeichenhandlung aber sollte er an mehreren hundert Tagen vollziehen. Hier sind die Zahlen in LXX und MT unterschiedlich. Das hängt offenbar mit unterschiedlichen Ausgangspunkten der Berechnung zusammen. Vielleicht liegen dem folgende Überlegungen zugrunde:
      – für ganz Israel ab der Davidszeit (MT: 390 Jahre bis 587/6 v. Chr. → Tage) oder nur das Nordreich ab Saul (LXX: 150 und 190 Jahre = 340 Jahre bis 722 v. Chr. → Tage).
      – Für die 40 Jahre für das Südreich Juda wird es schwieriger: man kann z.B. nur die Jahre der „bösen“ Könige nach dem Untergang des Nordreichs nehmen und dabei einige Besonderheiten in Anschlag bringen; die späteren Rabbis haben sich da ausführlich Gedanken gemacht. Aber vermutlich ist die Zahl „40“ für Juda (in MT und LXX!) einfach eine Symbolzahl.

      2) Hes 5,10 Wenn man eine lange belagerte Stadt einfach nicht einnehmen konnte, versuchte man, sie auszuhungern. Bei den Hungernden kam es dabei immer wieder zu entsetzlichen Szenen. Das ist hier im Blick. Das Strafgericht Gottes führt die Babylonier herbei, die Jerusalem ca. eineinhalb Jahre belagern. Dabei dürfte es dann auch zu dem von Hesekiel erwähnten Szenario gekommen sein. In Dtn 28,53–57 wird so etwas in seinen grauenhaften Einzelheiten geschildert – als Abschreckung. In 2Kön 6,24-30 wird es Realität.

      3) Der Begriff „Geschichtstheologie“ ist an dieser Stelle kurz und deshalb missverständlich. Auf S. 8 ist in der ausführlicheren Darstellung ohne Schreibzeilen deshalb formuliert: „Theologie der Gebote Gottes in der Geschichte Israels“. Unter Punkt 2.4.4 wird das ausführlicher erläutert. Die Stelle gehört aber zu den schwierigsten im AT, weil der Gedanke dahinter nicht weiter erläutert wird. Um das „ewige Leben“ geht es hier nicht, sondern um Israels permanenten Ungehorsam und die Konsequenzen innerhalb der Geschichte. Die Thematik des „Gesetzes“ sieht aus Sicht des NT nochmals anders aus. Der rechte Umgang mit der Tora Israels ist eines der wichtigsten Themen für Paulus und die Judenchristen („messianischen Juden“), nicht aber für die nichtjüdischen Christen.

  5. Hallo Manfred,

    ich habe zwei Fragen zu Hesekiel:
    1. Die Vision ganz am Ende mit den Lebensströmen, die aus dem Tempel bis in die Meere gehen. In den AB hatte ich es so verstanden, dass der Lebensstrom nur für Israel, zu seiner Heiligung/Heilung dient. Da es jedoch bis in die Meere geht, das Salzwasser “gesund” macht uns somit weit über das Land Israel hinaus fließt, würde ich es als Zusage für die ganze Welt sehen und nicht begrenzt auf Israel. Warum also nur Israel?
    2. In der Endvision ist wieder die Rede von einem Opferkult (in AB5 S.13 Sühnekult) im neuen Tempel, welcher tiefer geht als bloße “Gesetzlichkeit”. Gerade mit diesem Opferkult verbinde ich Gesetzlichkeit: Je nachdem, wie ich gesündigt habe, tätige ich ein bestimmtes Opfer. Wo ist der Unterschied zum vorherigen Opferkult?

    1. Zum „Lebensstrom“. In Hes 47,1-12 fließ der Eine Lebensstrom vom Tempel nach Osten und endet schließlich im „Salzmeer“, also dem Toten Meer (das Mittelmeer liegt im Westen!). Hier ist also allein das Land Israel im Blick, wie auch die Fortsetzung in 47,13ff zeigt. Das schließt eine Heilung der Welt nicht aus – nur ist sie hier nicht im Blick. In der Weiterführung und Modifikation dieser Vision im Buch der Offenbarung hingegen ist das der Fall: Off 22,1-5 erwähnt ausdrücklich die „Heilung der Nationen“.

      Zum Opferkult. Hier drei Überlegungen dazu:
      1) In Hes 43,13-27 wir die Errichtung des großen Brandopferaltars berichtet. Zu ihm gehören dann auch die Einweihungsopfer, für die in V 18ff Anweisungen gegeben werden. Hier ist nicht von einer Sünde Israels die Rede, sondern nur davon, den Altar zum Opferdienst geeignet zu machen. Vielleicht deutet V 27 an, dass auf diesem Altar in Zukunft nur noch „Gemeinschaftsopfer/Heilsopfer“ sowie „Brandopfer“ dargebracht werden, aber keine Sünd- und Schuldopfer mehr für Israel.

      2) Ergänzend dazu ist der Aspekt wichtig, dass „Sühne“ nicht unbedingt an „Schuld“ gekoppelt sein muss. Die Bedeutungsspektrum von kippä́r („sühnen“/bedecken) ist weiter; es umfasst auch die „kultische Reinigung“ von Gegenständen und Personen für den Dienst an Gott. Sie sind nicht „sündenbehaftet“, sondern schlicht noch nicht für den Dienst an Gott „geheiligt“.

      3) Aber selbst zukünftige „Schuldopfer“ etc. wären denkbar; auch das erneuerte Israel müsste nicht als „fehlerlos“ (ja sogar „sündlos“) gedacht werden, solange es nicht von Jhwh abfällt und schnell seine Verfehlungen sühnen lässt. Dabei würde man dann aber einen gewissen Widerspruch zu Hes 36,25ff in Kauf nehmen; deshalb erscheint diese Lösung eher unwahrscheinlich.

    1. Das sind zwei unterschiedliche Sachverhalte: Die Führungsschicht Judas und Teile des Volks wurde nach dem Fall Jerusalems 587/586 nach Babylon deportiert (vgl. z.B. Jer 39,9f; 52,15-30).

      Die persönliche Verschleppung Jeremias nach Ägypten (ca. 585 v. Chr.) ist etwas anderes und wird in Jer 40–43 berichtet:
      Nach der Eroberung Jerusalems ernannten die Babylonier den Judäer Gedalja zu ihrem Statthalter in Juda (Jer 40,5ff). Der wurde als Kollaborateur ermordet, zusammen mit anwesenden Babyloniern (Jer 40,13ff). Judäer, die den Mördern entgegentraten, hatten aber Angst vor der Vergeltung der Babylonier und flüchteten nach Ägypten, dem alten Gegner der mesopotamischen Reiche (Jer 41,13ff), obwohl der Prophet Jeremia ihnen eine andere Anweisung gegeben hatte. Sie zwangen Jeremia mitzukommen (Jer 42–43). In Ägypten prophezeit Jeremia den Fall Ägyptens durch Nebukadnezar; dann verliert sich seine Spur (Jer 43,8ff).

  6. Hallo Manfred, ich habe wieder Fragen. Danke schön für`s Beantworten!
    Jeremia 2.4
    Ist mit “Haus Jakob” und “Haus Israel” grundsätzlich das Gleiche gemeint, also die 12 Stämme?
    Warum dann diese Doppelung in einem Satz? Und ist da ein Unterschied zwischen “Haus Jakob” und “alle Sippen des Hauses Israel”? Sind mit Sippen vielleicht ursprüngliche Einwohner Kanaans gemeint und andere eingewanderte Volksgruppen, die nun auch auf dem Gebiet Israels leben und quasi dazugehören?

    AB 4, Seite 27
    Was ist in den Kapiteln 11-20 mit “Konfessionen” gemeint? “Konfessionen” hat verschiedene Bedeutungen, aber ich kann mir mit keiner so recht erklären, was das Wort auf dem AB sagen will.

    Gleichklang der Worte bei verschiedenen Propheten:
    Kann es sein, dass z.B. Jeremia die Schriften des vorexilischen Jesaja kannte? Manchmal ähneln sich die Aussagen der verschiedenen Propheten. Wie könnte das zustande kommen? Hat Gott ihnen ähnliche Worte in den Mund gelegt oder sie ähnliche Szenarien schauen lassen, um durch Mehrfachnennung (Prinzip der zwei Zeugen) Seinen Willen zu bekräftigen? Oder sind die Probleme im Norden und Süden zu den verschiedenen Zeiten einfach so gleichgelagert, dass Gott sich leider wiederholen muss und die selben Dinge auch über spätere Propheten verkünden lassen muss? Oder ist es vielleicht wie bei uns heute, dass Gott uns im Gebet Worte gibt, die wir aus der Bibel kennen und die für uns in der heutigen Situation wieder wichtig sind- übertragen also, dass Jeremia im Gebet an Worte von Jesaja erinnert wird?

    1. Zu Jeremia 2,4: „Jakob“ und „Israel“ sind gleichbedeutend. Der „Urvater“ Jakob hatte ja von Gott den Namen Israel bekommen (Gen 32; 35). Der Wechsel geschieht aus Gründen der stilistischen Abwechslung und der poetischen Eindringlichkeit.

      Schwieriger ist, wer jeweils gemeint ist. Das muss man dann vom Kontext her entscheiden.
      a) ganz Israel, als Nord- und Südreich zusammen. Das gilt für die Zeit bis Salomo.
      b) In der Zeit danach bis zum Untergang des Nordreichs meint Israel/Jakob i.a. das Nordreich.
      c) Nach dem Untergang des Nordreichs wird der Name „Israel/Jakob“ auf Juda übertragen, das sich als einziger legitimer Erbe des alten Gesamtisrael sah. So an dieser Stelle. Aber auch da kann es manchmal als ein Rückbezug auf frühere Zeiten „ganz Israel“ oder nur das alte Nordreich meinen. Meistens macht der Kontext es klar, was gemeint ist.

      „Alle Sippen …“ sagt lediglich aus, dass wirklich „alle“ gemeint sind. Es geht nie um die Kanaanäer, sondern nur um die, die zu Israel gehören.

      Die „Konfessionen“ Jeremias sind nicht anderes als seine „Bekenntnisse“ – das Klagen über sein Leid (Fachbegriff). Ich habe das im Text geändert. Danke fürs Nachfragen!

      Der Gleichklang prophetischer Aussagen: Alle Möglichkeiten, die du erwähnst, treffen zu. Manchmal sind die Formulierungen bis in die Details hinein identisch – dann gab es entweder schriftliche Notizen, oder man kannte das Wort auswendig.
      Auffällig ist z.B.: Jes 2,2-4 ist fast identisch mit Mich 4,1-4. Micha 5,2 spielt auf Jes 7,14 an. Vergleiche auch Jer 26,18, wo in späterer Zeit auf den Propheten Micha Bezug genommen wird.

      Manchmal wurde bei der (späteren) Verschriftlichung bewusst auf frühere Aussagen angespielt oder sie zitiert (sog. „Intertextualität“). Oft waren die Situationen so ähnlich, dass auch die Botschaft Gottes ähnlich war. Die Probleme im Nord und Südreich waren weitestgehend dieselben – nur hat Juda sich nicht durch das Schicksal Israels warnen lassen. Und sicherlich war das Phänomen der „Inspiration“ auch mit der „Tradition“ verknüpft – also der Erinnerung an früheres Reden Gottes, das den eigenen Sprachgebrauch geprägt hat.

      Und nicht zu vergessen: Bei alledem spielen die „Prophetenschulen“ eine große Rolle. Sie haben nicht nur die Worte überliefert und verschriftet, sondern auch in den Zusammenhang der Geschichte Gottes mit Israel gestellt. Und da sind Bezüge zu anderen Propheten / Prophetenschulen zwingend nötig. Möglicherweise hat auch eine „Schule“ die Worte mehrerer Propheten „verwaltet“ – da wissen wir leider viel zu wenig und können das nur vermuten.

      Was im Einzelnen der Fall ist, ist oft nur schwer herauszufinden, wenn überhaupt.

    1. Wenn man die Frage so stellt, geht sie am biblischen Denken vorbei. Bei Prophetie geht es ja nicht um eine Zukunfts-Vorhersage, sondern um eine „Ansage“ Gottes. Und solche Ansagen zielen immer auf eine Reaktion des Menschen. Wenn also in Jona verkündet wird: „Die Stadt wird untergehen …“ ist das keine Zukunftsschau, sondern eine Aufforderung, sich mit dem Ernst des Redens Gottes auseinanderzusetzen. Tut man das nicht, setzt Gott um, was er angekündigt hat. Reagiert aber der Mensch in Gottes Sinn auf solche „Ansagen“, dann reagiert Gott seinerseits wieder darauf – es ist eine neue Situation entstanden.

      Man kann es auch abstrakt sagen: Die Ankündigungen Gottes sind „bedingt“ – nämlich abhängig vom zukünftigen Verhalten des Adressaten.

  7. Im Modul 3 hattest Du erklärt, dass es im hebräischen das Wort “ewig” gar nicht gibt, sondern dass es bei den entsprechenden Worten um große, aber abgeschlossene Zeiträume geht Im AB 5 unter 2.4.5. 3.) geht es um den neuen David, auf ewig (!) herrscht und es heißt: “Gott wird in seinem Heiligtum für immer in ihrer Mitte wohnen.”. Sind da sprachliche Unterschiede?

    1. Es wird tatsächlich die der Begriff ‛olam verwendet. Die Zusage „ba‛olam“ bzw. „le‛olam“ meint „auf unabsehbare Zeit“, aber nicht „ewig“ in unserem Sinn von statisch / unveränderlich. Die Verheißung kann also durchaus modifiziert werden – wie es mit dem Kommen Jesu ja geschehen ist. Man kann auch nicht sagen, dass „Olam“ einen von vorneherein „abgeschlossenen“ Zeitraum meint, eher einen, der sich unabsehbar in die Zukunft erstreckt. Ob dann was Neues bzw. anderes kommt, bleibt dabei offen.

  8. – Im AB5 steht unter 2.4.5. 1.) “So ist die Rückführung in das Land nur aufgrund einer endzeitlichen Reinigung des Volkes durch den Geist Gottes möglich”. Wie ist dieser Satz genau zu verstehen: “Die Rückführung (des Restes) ist der Beginn von Gottes Handeln für die endzeitliche Reinigung”? Hier geht es doch um die tatsächliche Rückführung, richtig?
    – Zu Obadja habe ich die Frage: wer ist der Adressat dieser Prophetien gewesen? Die Edomiter werden sich nicht um die Prophezeiungen eines jüdischen Propheten gekümmert haben. Waren sie als Trost an Juda gerichtet? Es wirkt, als ob der erste Teil an Edom gerichtet sei, der zweite indirekt an Juda.

    1. Die Sicht Hesekiels ist, dass die Reinigung Israels durch das Exil geschieht Dort fand Israel – genauer gesagt, der „Rest“, der nicht untergegangen war – zum Glauben an die Einzigartigkeit JHWHs (zurück). Die Rückführung erfolgte dann in Wellen ab 538 v. Chr.

      Zu Obadja: Das ist eine spannende Frage, die für alle Völkerworte der Propheten gilt. Aller Wahrscheinlichkeit nach wurden sie in Juda/Israel „proklamiert“ und dadurch ein geistlicher Prozess angestoßen, der zu ihrer Verwirklichung führte bzw. führen sollte. Dahinter steht die Auffassung, dass das ausgesprochene Wort Gottes nicht leer zurückkehrt.

  9. Hallo Manfred, ich hätte wieder ein paar Fragen. Vielen Dank für deine Mühe!
    Amos 4,1
    Warum werden die unmoralisch handelnden Frauen von Samaria “Kühe Baschans” genannt, wo doch Baschan ein Gebiet östlich des Jordans ist und Samaria, gegen das sich die Prophetie richtet, westlich vom Jordan? Und warum “Kühe”? Ein Schimpfwort?

    Jesaja 7,8
    Hier heißt es im Angesicht des bevorstehenden syrisch-ephraimitischen Krieges, dass Ephraim (Israel) in 65 Jahren kein Volk mehr sein wird. Tatsächlich ist das etwa nach 10 Jahren passiert- 722 v.Chr. 2. Deportation nach Assyrien. Welche Bedeutung hat dann die Zahl 65? Ein Irrtum? Eine Ungenauigkeit? Ein möglicher Zeitraum, in dem die Prophetie eintreffen wird? Wie gehe ich mit solch einer absoluten Zahl in einer Prophetie um?

    Jesaja 6
    Mir ist rätselhaft, wie Jesaja den “Verstockungsauftrag” ausgeführt hat. Ich würde das gern besser verstehen. Also was hat er praktisch getan, oder vielleicht gelassen, damit die Menschen weiterhin nicht auf Gott hörten? Und wofür ist das nötig? Wenn Gott doch eh schon weiß, dass Er Sein Volk strafen muss wegen all der Vergehen, wozu braucht es dann noch eine Zeit der Verstockung, nach der Gott erst 701 v.Chr. und dann endgültig 587 v. Chr. Juda der Zerstörung preisgibt?

    1. Zu den „Kühen Baschans“: Der Baschan gehört zum Gebiet des Nordreichs Israel. Er hatte besonders gute Weidegebiete, die Kühe waren also wohlgenährt. Und eine „Kuh“ ist, anders als bei uns, kein Schimpfwort, sondern ein kostbarer Besitz. Es sind also die reichen Frauen Samarias in ihrer ganzen Pracht gemeint.

      Für die 65 Jahre gibt es bisher keine befriedigende Erklärung. Als Prophetie machen die 65 Jahre in der aktuellen Krise überhaupt keinen Sinn: wie soll das ermutigen? Zudem sind bis dahin alle Beteiligten höchstwahrscheinlich gestorben! Man kann eine Verschreibung einer anderen Zahl vermuten, oder einen (für uns unverständlichen) Kommentar eines späteren Schreibers, der in den Text gerutscht ist. Vielleicht hat die jetzige Zahl damit zu tun, dass um 670 v. Chr. der Assyrerkönig Asarhaddon Ägypten eroberte und dabei weitere Ausländer im Gebiet des früheren Nordreichs ansiedelte, das ja seit 50 Jahren eine assyrische Provinz war (vgl. Esr 4,2.10). Wenn die Prophetie auf 735 v. Chr. zu datieren ist, dann ergäben das die 65 Jahre. Aber wie gesagt, original kann die Zahl eigenlich nicht sein – sie macht schlicht keinen Sinn.

      Zum „Verstockungsauftrag“. Alles was Jesaja getan hat, war die Botschaft der Umkehr zu verkünden, die Gott ihm gegeben hatte. Aber man hörte nicht darauf. Die Dynamik ist klar: Bei jeder neuen Verkündigung muss man sich erneut verhärten, bis man schließlich völlig hart geworden ist. Dann kann man nicht mehr anders, denn man ist unempfindlich geworden für das Reden Gottes und die Stimme des eigenen Gewissens.
      „Wenn Gott sowie schon weiß, dann braucht er …“ – solche Überlegungen laufen immer schon ins Leere. Gott „weiß“, was Menschen tun werden – also müssen sie es erst tun! Denn wenn sie es nicht tun, dann gibt es nichts zu wissen. Die Zeit der zunehmenden Verhärtung ist nämlich gleichzeitig auch eine Zeit der (immer kleiner werdenden) Chancen zur Umkehr … Gott greift aber erst ein, wenn „das Maß voll ist“, nicht vorher – also in diesem Fall: wenn die Verhärtung endgültig ist.

  10. Hallo Manfred, bin über eine Textstelle gestolpert. Vielen Dank für`s Erklären!
    Hesekiel 13, 8-9
    Ist das wieder so ein typischer Halbsatz, bei dem der zweite Teil weggelassen wird? Welche Funktion hat das? Soll da Brisanz deutlich werden, die Konsequenz in drohender Unkenntlichkeit bleiben? Hier wird allerdings der Satz in Vers 9 doch noch zu Ende geführt, oder?

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